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Eigentlich eigentlich Januar

Ein Film von Jan Peters, 2022, 100 min, Super-8 und 16mm, Farbe und Schwarzweiß

Marie-Catherine Theiler (Dramaturgie), Mikola Debik (Farbe), Pit Przygodda (Sound Effects, Tondramaturgie, Mix)

Mit: Alexandra Scheele-Baer, Ada, Agnes Meyer-Brandis, Alexandra Münzner, Alix Kokula, Alma Amrami Peters, Alva Meyer-Brandis, Anna Berger, Antonia Baer, Babak Samari, Bettina Haasen, Bomi, Christian Grasse, Christoph Dreher, Ellen Nötzel, Elvira Theiler, Esti Amrami, Funda Tufan, Gabriel Capitolin, Gerda Peters, Hans Peters, Hannah Kretzschmar, Hannah Schrem, Ines Djampour, Jan Peters, Jens Brand, Jia You, Jonas Acker, Joshua Capitolin, Juli Meyer-Brandis, Katharina Meves, Marcus Winterbauer, Marie-Catherine Theiler, Martin Baer, Martina Schmid, Mascha Baer, Momme Peters, Muhamed Osmančević, Pascal Capitolin, Peter Acker, Simeon Uhl, Stéphane Riethauser, Tilda Theiler, Tobi Sauer, Tobias Kraudzun, Tom Theiler

Dank an: Jo Zahn, Roman Beilharz, Sabina Doerr

Foto-Motel, LaborBerlin, Silhouette Synthesizers, The Watch

GNR FLMFRDRNG, GNR NTFLX, GNR MN

Premiere: Duisburger Filmwoche

Synopsis

Der Januar ist kein einfacher Monat: Das Wetter ist kalt und trübe, der Lichterglanz der Weihnachtszeit verschwunden und ein Gefühl der Leere stellt sich ein. Aber da ist dieser Tatendrang und all die guten Neujahrsvorsätze… Jan Peters wollte aufräumen und fand zwei Kühltaschen aus den 1980er-Jahren, gefüllt mit über Jahrzehnte gesammeltem, unbelichtetem Super 8- und 16mm-Filmmaterial. Die Idee, jeden Tag eine Rolle von drei Minuten zu belichten und diese dann Zuhause in einem Eimer mit einer Mischung aus Instantkaffee, Vitamin-C-Pulver und Waschsoda selbst zu entwickeln, konnte nicht durchgehalten werden. Sie gab allerdings den Ausgangspunkt für Peters’ neuen Tagebuchfilm EIGENTLICH EIGENTLICH JANUAR, der schlicht gesagt genial ist.

Ina Borrmann

Pressematerial

Preise

Achtung Berlin Filmfestival

Preis für die beste Kamera Dokumentarfilm.

Eine Reihe von Sequenzen, beginnend mit einem Reenactment aus der Filmgeschichte; Fotos auf nassen Straßen, Steine am Meer, Graffitis und andere Fundstücke; Zooms und Kamerafahrradfahrten; alles aus der Hand gefilmt. Darüber hinaus fixe Einstellungen, Episoden aus sich auftürmenden Einzelbildern, Abfolgen von To-Do-Listen; dazwischen Unternehmungen, Beobachtungen; unterschiedliche Geschwindigkeiten; Aufzeichnungen, so scheint es, um der eigenen Wirklichkeit näher zu kommen, um die Gegenwart zu fixieren; Aufzeichnungen, die sich – wie im Text beschworen – gegen das Verschwinden richten und nicht nur in Form von Bildern, sondern auch von Techniken: Das Analoge führt hier zur Reflexion des Mediums selbst; ein Bewusstsein für die Materialität der Bilder, für Farben, Licht, Texturen, die uns als Kratzer, Streifen, Blitze, Schlieren usw. entgegenkommen und deren Herstellung im Film so beschrieben wird: „Für eine 30-Meter-Rolle Film 108 g Waschsoda in zwei Liter Wasser, 30 Gramm Vitamin C dazu, dann 80 Gramm Instantkaffee, in absoluter Dunkelheit, bei 20 Grad Celsius, 15 Minuten im Eimer, dann 5 Minuten wässern, 10 Minuten fixieren, das Licht kann jetzt wieder an, nochmal wässern und vor dem Aufhängen durch ein Wasserbad mit einem Tropfen Geschirrspülmittel ziehen, dann zum Trocknen auf die Leine.“
Für seine Arbeit am Bild geht der achtung-berlin-Kamerapreis an Jan Peters für EIGENTLICH EIGENTLICH JANUAR. Herzlichen Glückwunsch!
(Dokumentarfilm Jury bei Achtung Berlin Filmfestival 2023: Borjana Gaković, Antonia Kilian, Ute Adamczewski)

Kritiken

Jan Peters hat uns mit »Eigentlich eigentlich Januar« ein Türchen in seinen Kopf geöffnet, um ihm bei seinem, in Euphorie geschwenkten, Leidensweg zu folgen. Der Experimentalfilm wurde auf 30 (einen für jeden Tag des Monats) abgelaufenen Analogfilmen gedreht und wird von Jan Peters‘ Stimme begleitet. Es ist ein Redefluss, der aus Tagebucheinträgen und geflüsterten Nachträgen besteht – zumindest so die Annahme, bevor diese Teilung durch Peters selbst in einem Nebensatz als (Selbst-)Täuschung enttarnt wird…(Kritikerblog, ANNE-MAJ TANGERMANN, 24 April 2023)

Weiterlesen > https://www.kritikerblog.com/jung-und-unserioes/

Es ist ein Tagebuchfilm, den Jan Peters aus seiner Dunkelkammer mitbringt. Ein Rückgriff auf eine eigene Idee, nämlich den Film „Dezember 1-31“, in welchem er in den 90er Jahren bereits einen ganzen Monat auf analogem Material festhalten wollte, eine Filmrolle und ein vorgelesener Tagebucheintrag pro Tag…(Kritikerblog, NICKLAS BAUSKE, 21.April 2023)

Weiterlesen > https://www.kritikerblog.com/der-geist-im-material/

Da gibt es Filme, die fangen von vorn an. Bei Robert J. Flaherty etwa und der ethnografischen Geste, die sich Jan Peters’ ›Eigentlich eigentlich Januar‹, (2022) ausdrücklich borgt, wenn er sich mit Familie beim Iglubau zeigt, oder die eigene Persona, diverse Repräsentationen stagend, in vermeintlich ablaufenden Filmspulen der Endlichkeit und vergleichsweise sanften Witterungen auf Berliner Jahresendpartys oder einem Urlaub in den Schweizer Bergen überstellt. Die Geschichte, auch die eigene, wird zerlegt, sortiert und nach allen Regeln des Dramaturgischen gebaut. Gilles Deleuzes „Fabulation als ein Werden in der Zeit“ wird im peterschen, vom Material selbst immer wieder unterbrochenem Plaudern, zur ironischen Sabotage jeden „Werdens“. (Birgit Glombitza im Katalog der dokumentarfilmwoche Hamburg 2023, Seite 91)

Weiterlesen > https://www.dokfilmwoche.com/wp-content/uploads/2023/03/Katalog_klein_web_21.3.pdf

Termine

November 2022

Freitag 11. November

17:15 – 19:15
Premiere «Eigentlich eigentlich Januar» Duisburger Filmwoche
filmforum
Dellplatz 16, Dellviertel, 47051 Duisburg, Deutschland

Januar 2023

Mittwoch 11. Januar

18:30 – 20:30
«Eigentlich eigentlich Januar»
Kunsthochschule Kassel
Menzelstraße 13

Freitag 13. Januar

18:30 – 20:30
«Eigentlich eigentlich Januar»
Kino im Sprengel
Klaus-Müller-Kilian-Weg 2, 30167 Hannover, Deutschland

Sonntag 15. Januar

20:00 – 22:00
«Eigentlich eigentlich Januar» Stuttgarter Filmwinter, Fitz! Cinema.
Eberhardstraße 61
Stuttgart, Deutschland

Februar 2023

Mittwoch 8. Februar

19:00 – 21:30
«Eigentlich eigentlich Januar»
Kamera Filmkunsttheater
Feilenstraße 2, 33602 Bielefeld

März 2023

Mittwoch 29. März

19:30 – 21:30
«Eigentlich eigentlich Januar»
Mal Seh'n Kino
Adlerflychtstraße 6, 60318 Frankfurt am Main, Deutschland

Donnerstag 30. März

20:00 – 22:30
«Eigentlich eigentlich Januar»
Kino Arsenal
Potsdamer Str. 2, 10785 Berlin

April 2023

Freitag 14. April

20:15 – 22:15
«Eigentlich eigentlich Januar»
Achtung Berlin Filmfestival, Babylon Mitte

Samstag 15. April

22:15 – 23:45
«Eigentlich eigentlich Januar
Achtung Berlin Filmfestival, Babylon Mitte

Sonntag 16. April

16:00 – 18:00
«Eigentlich eigentlich Januar
Achtung Berlin Filmfestival, fsk-Kino

Donnerstag 20. April

20:00 – 22:00
«Eigentlich eigentlich Januar»
Festivalzentrum im Massif Central, Eschersheimer Landstraße 28, 60322 Frankfurt a.M.

Montag 24. April

20:00 – 22:00
«Eigentlich eigentlich Januar» Eröffnungsfilm der Hamburger Dokumentarfilmwoche
Metropolis Kino, Kleine Theaterstraße 10, 20354 Hamburg

Samstag 29. April

15:00 – 17:00
«Eigentlich eigentlich Januar» Hamburger Dokumentarfilmwoche
19:00 – 21:00
«Eigentlich eigentlich Januar» Crossing Europe Filmfestival

Sonntag 30. April

21:00 – 23:00
«Eigentlich eigentlich Januar» Crossing Europe Filmfestival

Mai 2023

Samstag 6. Mai

21:30 – 23:30
«Eigentlich eigentlich Januar»
DOKfest München, Rio Filmpalast, Rosenheimer Str. 46, 81669 München

Sonntag 7. Mai

21:00 – 23:00
«Eigentlich eigentlich Januar»
DOKfest München, Neues Rottmann Kino, Rottmannstraße 15, 80333 München

Dienstag 9. Mai

18:00 – 20:00
«Eigentlich eigentlich Januar»
DOKfest München, Filmmuseum, Sankt-Jakobs-Platz 1, 80331 München

Juni 2023

Mittwoch 21. Juni

16:00 – 18:00
«Eigentlich eigentlich Januar»
Thega Filmpalast
Theaterstraße 6, 31141 Hildesheim

September 2023

Donnerstag 28. September

20:00 – 22:00
«Eigentlich eigentlich Januar»
Lichtmess-Kino
Gaußstrasse 21, D-22765 Hamburg

Keine Termine gefunden.

Directors Statement

Alles fing damit an, als ich beim Aufräumen meiner Rumpelkammer zwei Kühltaschen wieder entdeckte. Sie waren aus den 80ern, es gab sie als Werbegeschenk beim Einkauf grösserer Mengen analogen Filmmaterials dazu. Eine war von Kodak, die andere von Fuji. Beide sahen aus wie Farbfilme, die mit viel Luft aufgeblasen worden waren, so wie das in vergangenen Jahren auch bei Neuwagen oft zu sehen ist.

Die von Kodak war wie ein 135er Kodakcolor II Farbnegativfilm mit 36 Aufnahmen gestaltet. Die von Fuji sah auch aus wie ein 135er, war aber keinem bestimmten Kleinbildfilm zuzuordnen. In den Taschen hatte ich seit Jahren oder eher Jahrzehnten unbelichtetes Super-8 und 16mm Filmmaterial gesammelt, das entweder bei eigenen Projekten übrig geblieben oder mir geschenkt worden war. Zum Teil war es stark überlagert, mehrfach waren unter „zu entwickeln bis“ Daten in den 1970er Jahren aufgestempelt.

Diese Entdeckung hatte für mich etwas sehr Befreiendes, denn mit ihr entstand die Idee, dass ich völlig unabhängig, ohne Geld und Auftraggeber einen neuen Film anfangen könnte, in dem ich ein von mir vor Längerem erprobtes Prinzip erneut anwende: Einen Monat lang wollte ich jeden Tag eine Rolle von 3 Minuten belichten und dann Zuhause im Eimer mit einer Mischung aus Instantkaffee, Vitamin-C-Pulver und Waschsoda selbst entwickeln. 1998 und 1999 hatte ich das für meine Tagebuchfilme „November, 1-30“ und „Dezember, 1-31“ schon gemacht. Deshalb war gleich klar, dass das neue Projekt „Januar, 1-31“ heissen sollte. Und vielleicht etwas grössenwahnsinnig lagen mir auch die Titel der nächsten zehn Langfilme vor Augen, die ich noch zu drehen hätte, um meinen Beitrag zur Filmgeschichte zu vervollständigen: von „Februar, 1-28“ über „März 1-31“ bis „Oktober 1-31“.

Dass es eine, oft nicht unbedeutende, Differenz zwischen Idee und Ausführung gibt, ist am von der Ausgangsidee abweichenden Titel „Eigentlich eigentlich Januar“ zu erkennen. Noch deutlicher wird es, wenn ich auf hinwiese, dass ich die ersten Aufnahmen für den Film, der damals noch „Januar, 1 -31“ hiess, bereits Anfang 2019 gedreht habe, den Film aber erst jetzt, Ende 2022 fertigstellen konnte. Bereits vor Ende Januar 2019 war klar, dass ich die ursprüngliche Idee nicht einhalten kann und den Titel in „Eigentlich Januar“ ändern muss. Etwas später wurde daraus „Eigentlich Januar, obwohl der Februar auch schon längst vorbei ist“ dann „… aber am 26. Mai, dem Tag der Europawahl will ich wirklich endlich fertig sein“ bis es schliesslich, mehr als zwei Jahr später zum endgültigen Titel kam.

Einer der zahlreichen Gründe, warum ich die ursprüngliche Idee, einfach einen Monat lang jeden Tag eine Rolle Film zu drehen, nicht einhalten konnte, waren in gewisser Weise die Taschen von Kodak und Fuji und das durch sie ausgelöste Gefühl der Unabhängigkeit und Freiheit. Ich hatte den Film tatsächlich so frei und beschwingt begonnen, dass ich gar nicht genau hätte sagen können, was eigentlich das Thema sein würde. Recht schnell rückte dann das Bilder machen, sammeln, suchen, finden, verlieren, organisieren und archivieren in den Mittelpunkt. Aber das machte das Projekt deutlich aufwendiger, als von mir anfangs gedacht. Meine langjährige Sammlung „Lost Photos Found“ einzubauen war dabei noch das Einfachste. Bei den Familienfotos war es schon etwas schwieriger. Was dann die Kisten mit meinen eigenen Fotografien anging, war es vor allem eine Zeit und Geduldsfrage. Aber der Umzugskarton mit den über 3500 Fotos in mehr als 1000 Umschlägen, die vor 40 Jahren zum Wettbewerb „Jugend fotografiert 82“ eingereicht worden waren, war eine wirklich grosse Herausforderung. Alleine diese Bilder in eine dem Projekt angemessene Form, sprich auf eine Rolle von 3 Minuten, zu bringen, hat tatsächlich mehrere Monate in Anspruch genommen.

Entsprechend gross war meine Freude als die Nachricht kam, dass mein neuer Film auf der Duisburger Filmwoche laufen und seine Premiere feiern wird. Denn dort war 1999 „Dezember, 1-31“ gezeigt worden, in dem ich in der letzten Einstellung im Cockpit eines Hubschraubers sitze. Genau dort beginnt auch „Eigentlich eigentlich Januar“: im Cockpit eines Hubschraubers.

Und jetzt sieht es fast so aus, als wäre ich mehr als 20 Jahre lang einfach immer nur geflogen.

Und so fühlt es sich eigentlich auch an.

Ich hoffe nur, dass ich für „Februar, 1-28“ nicht wieder so lange fliegen muss.

Biografie

Jan Peters

Der Filmemacher Jan Peters (*1966) studierte an der HfbK in Hamburg und war Mitbegründer des Filmemacherkollektivs “Abbildungszentrum”. Er drehte zahlreiche preisgekrönte Kurz- und Langfilme, darunter „Dezember, 1-31“, der 1999 auf der Duisburger Filmwoche den 3sat-Dokumentarfilmpreis gewann. Außerdem realisierte er Hörspiele und (Theater-)Performances, zuletzt „Kollisionen“ (gemeinsam mit Marie-Catherine Theiler).

Filmografie (Auswahl)

  • November, 1 – 30, 1998, 86 min
  • Dezember, 1-31, 1999, 97 min
  • Ich bin 33, 2000, 3 min,
  • Wie ich ein Höhlenmaler wurde, 2001, 20 min
  • 13 ou 14, 2004, 22 min
  • Wie ich ein freier Reisebegleiter wurde, 2007, 15 min
  • TIME’S UP, gemeinsam mit Marie-Catherine Theiler, 2009, 15 min
  • Nichts ist besser als gar nichts, 2010, 90 min
  • CERN MATERIAL TRIGGER 42 , 2017, 24 min
  • 30 Jahre, aber den Sinn des Lebens habe ich immer noch nicht rausgefunden, 2019, 90 min
  • Eigentlich eigentlich Januar, 2022, 100 min

"Und jetzt sieht es fast so aus, als wäre ich mehr als 20 Jahre lang einfach immer nur geflogen. "

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